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Ist Altern eine Krankheit? 

Demenz ist eine Zeitbombe, die inmitten unserer Gesellschaft tickt. Dennoch stehen viele Menschen dem Leiden oft hilflos und nicht ausreichend informiert gegenüber. Rüdiger Damman und Reimer Gronemeyer hinterfragen den rein medizinischen Ansatz und erkunden neue Wege des Umgangs mit der Demenz. Demenz gilt als die Jahrhundertkrankheit, als neue Geißel der Menschheit, die sich in den demografisch alternden Gesellschaften wie eine Epidemie ausbreitet und weltweit bereits rund 25 Millionen Menschen ihrer erwachsenen Persönlichkeit beraubt hat. In Deutschland gibt es heute bereits mehr als eine Million diagnostizierte Fälle, und jährlich wird mit 250.000 neuen gerechnet. Fast jede Familie wird bald betroffen sein, doch eine Heilung ist weit und breit nicht in Sicht und das Wissen über Demenz in der Öffentlichkeit nur sehr wenig verbreitet.
Wirft man einen Blick in die einschlägige Fachliteratur, fällt auf: Demenz als fortschreitende Abnahme der Hirnleistungen wird als diagnostizierbare, behandlungs- und therapierbedürftige Krankheit interpretiert. Eine verkürzte Sichtweise, so die Autoren Rüdiger Damman und Reimer Gronemeyer. In ihrem Buch erläutern sie die dringende Notwendigkeit, das Problem um eine zivilgesellschaftliche Dimension zu erweitern. Demenz wird zu einer der großen sozialen, ökonomischen, politischen Herausforderungen und zu einem zentralen sozialpolitischen Thema des nächsten Jahrzehnts. Mit nur medizinischen Ansätzen wird das Problem angesichts des dramatischen Anstiegs nicht in den Griff zu bekommen sein. Die Autoren zeigen, dass es in höherem Alter schon immer Demenz gegeben hat. Nur dass es heute die Zahl der alten Menschen stark ansteigt – und damit auch die Zahl der Demenzfälle. Die Art der Pflege in den Pflegeheimen mit zu wenig Personal trägt weiter zum Anstieg der Demenzfälle bei. So ist erwiesen, dass die Möglichkeit am aktiven Teilnehmen am Lebensumfeld der Demenz entgegenwirkt, die Praxis in vielen Pflegeheimen, z.B. mit medikamentöser Ruhigstellung aber das Gegenteil bewirkt. Auf diese Weise produziert eine moderne Gesellschaft ihre eigene Demenzhäufigkeit.
Die Autoren liefern in ihrem Buch eine Vielzahl von Informationen, Daten und Fakten. Sie zeigen, wie das Leben der Menschen, die unter Demenz leiden – Betroffene und Angehörige – verbessert werden kann und welche Modelle der Pflege es gibt. Vor allem wird diskutiert, welche neuen Wege im gesellschaftlichen Umgang mit Demenz beschritten werden müssen. So liefert dieses Buch einen wichtigen Anstoß zu einer überfälligen großen Debatte. Ein überfälliges und überaus lesenswertes Buch, das über eine rein medizinische Betrachtung der Demenz herausführt.

Die Autoren:
Rüdiger Dammann ist promovierter Soziologe sowie Autor und Herausgeber zahlreicher politischer Bücher.
Reimer Gronemeyer ist Professor für Soziologie an der Universität Gießen und Autor mehrerer Bücher. Er ist Vorsitzender des Vereins Aktion Demenz e. V. – Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz. 

Das Buch umfasst 220 Seiten und kostet EUR 17,90/ (ISBN 978-3-593-38968-4)

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